Die Selbstanzeige muss von dem oder den richtigen Absender/n an den richtigen Empfänger gelangen. So einfach dies klingt, der ordnungsgemäße Versand einer Selbstanzeige kann in der Praxis durchaus Schwierigkeiten bereiten und tückisch sein. An wen würden Sie beispielsweise eine Selbstanzeige versenden? Staatsanwaltschaft? Polizei? Finanzamt?

Empfänger der Selbstanzeige

Die Selbstanzeige muss gegenüber dem richtigen Empfänger erfolgen, anderenfalls ist die Möglichkeit der Straffreiheit regelmäßig unwiderruflich verloren. Sie muss gem. § 371 Abs. 1 AO "bei der Finanzbehörde" abgegeben werden. Im Einzelnen gibt es Streit, was unter "Finanzbehörde" genau zu verstehen ist. Es existiert ein unterschiedlich weitreichendes Behördenverständnis. Sicherheitshalber sollte deshalb die Selbstanzeige an das sachlich und örtlich zuständige Finanzamt adressiert werden.

Achtung: Die Polizei oder Staatsanwaltschaft sind definitiv die falschen Adressaten für eine Selbstanzeige! Es handelt sich hierbei um keine Finanzbehörden. Werden Selbstanzeigen gegenüber diesen Stellen abgegeben, gelangen alle relevanten Informationen über die Steuerhinterziehung regelmäßig und kurzfristig an das jeweils zuständige Finanzamt. Die Steuerhinterziehung ist entdeckt. Eine (weitere) strafbefreiende Selbstanzeige an die Finanzbehörde nicht mehr möglich.

Nachweis von Zugang und Inhalt

Aufgrund der hohen Bedeutung der Nacherklärung sollte beim Versand immer auch darauf geachtet werden, dass deren Zugang und der Zeitpunkt des Zugangs gerichtsfest nachgewiesen werden kann. Außerdem sollte auch der genaue Inhalt der Nacherklärung gerichtsfest dokumentiert sein.

Absender der Selbstanzeige 

Nicht zu unterschätzen ist die Frage, wer die Selbstanzeige zu welchem Zeitpunkt versendet. In erster Linie kann das der Steuerpflichtige selbst erledigen. Dieser kann jedoch bspw. auch einen Rechtsanwalt oder einen Steuerberater damit beauftragen.

Soweit sich Betroffene z.B. von Ihrem Steuerberater vertreten lassen, muss dieser vor (!) der Abgabe der Selbstanzeige ausdrücklich (!) bevollmächtigt sein. Immer wieder kommt es allerdings vor, dass Steuerberater neben dem buchhalterischen Tagesgeschäft auch eine Selbstanzeige "mit erledigen". Hier besteht die Gefahr, dass überhaupt keine Selbstanzeige-Vollmacht vorliegt. Die Straffreiheit ist in diesen Fällen oft verloren.

Koordination des Versands

Neben dem Steuerpflichtigen können alle Teilnehmer einer Steuerhinterziehung eine Selbstanzeige erstatten. Dies sind Mittäter und Gehilfen wie z.B. der Rechnungsaussteller, Mitarbeiter, Mitgesellschafter, eine Erbengemeinschaft oder der Ehegatte.

Soweit mehrere Tatbeteiligte vorhanden sind, ist zu beachten, dass diese alle gleichzeitig bei den für die einzelnen Beteiligten zuständigen, ggf. unterschiedlichen Finanzämtern die Selbstanzeige erstatten. Wird dies versäumt, besteht die Gefahr, dass durch eine vereinzelte Selbstanzeige die Tat für die anderen Tatbeteiligten als entdeckt gilt. Die Selbstanzeige kann dann für die verbleibenden Beteiligten keine strafbefreiende Wirkung mehr entfalten.