Sofern eine steuerpflichtige Person ein größeres Vermögen aufweist und das Einkommen aus verschiedenen Quellen stammt, ist die Schätzungsmethode der Vermögenszuwachsrechnung eine beliebte Methode der Steuerfahndung um die tatsächliche Besteuerungsgrundlage festzustellen.

Übersicht Vermögenszuwachsrechnung

Die Vermögenszuwachsrechnung beschäftigt sich, im Gegensatz zur Geldverkehrsrechnung, mit dem gesamten Vermögensbestand. Bei der Vermögenszuwachsrechnung wird unterstellt, dass eine Mehrung des Gesamtvermögens, also der Vermögenszuwachs, sich nur aus versteuerten Einkünften, sonstigen steuerfreien Einnahmen und/oder anderen nachweisbaren Quellen, wie Schenkungen und Erbschaften, ergeben kann. Dabei wird, wie auch bei der Geldverkehrsrechnung, vom Grundsatz ausgegangen, dass niemand in einem bestimmten Zeitraum mehr ausgeben kann, als er eingenommen hat. 

Berechnung

Bei der Vermögenszuwachsrechnung vergleicht die Steuerfahndung innerhalb zweier Stichtage den gesamten Vermögensbestand einer Person. Ergibt sich aus dem Vergleich ein nicht aufzuklärender Vermögenszuwachs, so kann die Steuerfahndung daraus schlussfolgern, dass dieser Vermögenszuwachs aus unversteuerten Einkünften stammt.

Berechnungsschema:

    Anfangsbestand Gesamtvermögen (Stichtag 1)
  + erklärbare Einnahmen
  ./. erklärbare Ausgaben
  ./. festgesteller Vermögensendbestand (Stichtag 2)
   = Ungeklärter Überschuss

 

Beispiel: Die Rentnerin R gibt in ihrer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2013 ein Einkommen in Höhe von 7.500,00 EUR an. Im selben Jahr kauft sie sich einen neuen Mercedes für 30.000,00 EUR. Die Steuerfahndung wird auf sie aufmerksam und entdeckt ein bisher geheimes Kapitalvermögen in Luxemburg in Höhe von 500.000,00 EUR. Im Wege der Vermögenszuwachsrechnung (bei Berücksichtigung des Privatvermögens und des Kapitalvermögens) stellt sie folgende Rechnung auf: 

  Vermögenszuwachsrechnung   2011-2013
  Anfangsbestand Vermögen   20.000,00 EUR
  Erklärbare Einnahmen + 22.500,00 EUR
  Erklärbare Ausgaben ./. 21.500,00 EUR
  Endbestand Vermögen                
 ./. 551.000,00 EUR
  ungeklärter Vermögenszuwachs = 530.000,00 EUR

Arten der Vermögenszuwachsrechnung

Bei der Vermögenszuwachsrechnung hat die Steuerfahndung die Möglichkeit entweder eine Gesamt- oder aber eine Teil-Vermögenszuwachsrechnung vorzunehmen. Während Erstere auf sämtliche Vermögenswerte abstellt, wird der Vergleich bei Letzterer nur auf bestimmte Vermögensbereiche beschränkt. So kann eine Teilschätzung entweder nur das Betriebsvermögen oder aber auch nur das Privatvermögen umfassen. Barentnahmen und Bareinnahmen werden grundsätzlich nicht berücksichtigt. Letztendlich sind auch Mischformen der Geldverkehrs- und Vermögenszuwachsrechnung möglich.

Rechtsschutz bei Vermögenszuwachsrechnung

Auch bei der Vermögenszuwachsrechnung können, wie bei der Geldverkehrsrechnung, private Vermögensverhältnisse von großer Bedeutung sein. Da den Steuerpflichtigen im Privatbereich keine Pflicht zur Aufzeichnung, Aufbewahrung und Vorlage von Unterlagen trifft, sind oftmals nur unvollständige Unterlagen und Nachweise für die Steuerfahndung vorhanden. Dies kann zur Folge haben, dass die Steuerfahndung die Kosten der privaten Lebensführung auf Basis statistischer Durchschnittswerte schätzen muss.  Die mangelhaften Unterlagen führen zu Unsicherheiten bei der aufgestellten Schätzung. Diese Unsicherheit bietet eine Angriffsfläche für den Anwalt und seinen Mandanten.

Weitere Einzelheiten zum Rechtsschutz gegen Schätzungsmethoden...